Eine besondere Weihnachtsgeschichte

Christi Geburts-Szenerie in Algona

 

Es begann am zweiten Weihnachtsfeiertag des Jahres 2001, als mein Freund Paul in Waterloo, IA, USA mir als Anlage zu seiner e-Mail vom gleichen Tage einen Artikel aus einer Zeitung seiner Heimatstadt übersandte. Er schrieb dazu: Der beigefügte Artikel ehrt die Bemühungen von deutschen Kriegsgefangenen. Diese waren in den Jahren 1943-1945 in Algona interniert. Algona liegt im Norden in der Mitte des Staates, ungefähr 135 Meilen von Waterloo entfernt. Ich hoffe, Du wirst den Zweck dieses Artikels schätzen, er wurde zu Ehren dieser ehemaligen Kriegsgefangenen aus dem 2. Weltkrieg geschrieben. Es ist wunderbar, dass deren Arbeit nun beinahe 60 Jahre überlebt haben.

 

Nach dem Lesen des Artikels, (Christi Geburts-Szenerie übersteht als Friedenszeichen) mit einem Bild der wichtigsten Figuren der Weihnachtskrippe, wurde ich natürlich erst recht neugierig und bat ihn, mir doch nähere Einzelheiten mitzuteilen. Und so erhielt ich postwendend seine Antwort mit einem besonderen Hinweis auf eine Seite im Internet, (siehe http://www.pwcamp.algona.org) auf der ich dann erfuhr, was es mit den Krippenfiguren der deutschen Kriegsgefangenen in Algona auf sich hat. Und als ich dort lesen konnte, was man im Sinne hat – nämlich Kontakte zu den ehemaligen POWs von Algona und den dazugehörigen Seitenlagern in Iowa und Minnesota zu knüpfen, war es irgendwie um mich geschehen. Ich sagte mir: Alfred, da kannst Du doch helfen, Du hast abends viel Zeit (wenn Du nicht vor der „Glotze“ sitzen willst) und da ich mit T-XXL Sonn- und Feiertags gewissermaßen umsonst telefonieren kannst ist es Dir vielleicht möglich, einige aus deren Namensliste ausfindig zu machen.

 

Es kam wie es kommen musste. Seit Anfang dieses Jahres stehe ich im regen Kontakt mit einem Mitglied des PW Camp Algona Komitees und habe – darauf bin ich mit recht stolz, viele „Ehemalige“ ausfindig machen können. Das hat allerdings nur dann geklappt, wenn der Name im Telefonbuch für Deutschland nicht mehr als 2-3x aufgeführt ist, denn dann wäre die Suche ins Uferlose verlaufen.

 

Sollte jemand sich die Zeit nehmen und diesen Bericht bis hierher lesen, dann wäre ich für jeden Hinweis sehr dankbar der zu weiteren Kontaktaufnahmen führen könnte. Vielleicht kennt der eine oder andere Leser in seinem Bekanntenkreis jemand, von dem er wissen könnte ob er als POW in USA in einem der Lager der Staaten Iowa und Minnesota gewesen sein mag Dann wäre ich natürlich glücklich, dies zu erfahren. Meine e-Mail Adresse lautet: AHMUELLER@t-online.de

 

Ich möchte nicht verfehlen, hier eine Übersetzung des vor wenigen Tagen in Algona erschienen Zeitungsartikel hinzuweisen, für den ich die ausdrückliche Genehmigung zur Übersetzung und weitere Verbreitung habe. Der Artikel spricht für sich selbst:

 

Die berühmte Weihnachtskrippe von Algona eröffnet zur Adventszeit 2002

 

Die international bekannte Christi Geburts-Szenerie wird beginnend mit der Adventszeit 2002 am 1. Dezember geöffnet sein.

 

Diese berühmte Darstellung wurde von deutschen Kriegsgefangenen hergestellt, die während des 2. Weltkrieges im Camp Algona inhaftiert waren. Der Designer und Erfinder, Eduard Kaib, war vom Berufstand her Architekt und diente bei der deutschen Wehrmacht als Unteroffizier. Kaib und fünf von seinen Kameraden stellten diese Krippenfiguren her. Das dafür benötigte Material bezahlten sie aus der eigenen Tasche.

 

Die Krippenfiguren sind halbmannsgroß und bestehen aus insgesamt 60 Figuren, die mit Zement, Drahtgerüsten und verformbaren Gips gestaltet wurden.

 

Neben der Ausstellung der Krippenfiguren ist auch ein Empfangsraum für Besucher vorhanden, wo diese sich ein Bild über den Hintergrund und der Geschichte dieser Weihnachtskrippe, dem Lager und die dort tätig gewesenen Leute machen können. Dies ist in Wahrheit eine Weihnachtskrippe, „einzigartig in ihrer Art auf der ganzen Welt“.

 

 

Die Darstellung der Christi Geburt wird täglich vom 1. bis zum 31. Dezember geöffnet sein. Die Besuchszeiten sind wie folgt: An den Sonntagen und den Tagen des Weihnachtsfestes ab Mittag bis um 21:00 Uhr. Von Montag bis Samstag von 14:00 bis 21:00 Uhr. Am 31. Dezember nur noch von 14:00 bis 18:00 Uhr. Das Gebäude, welches besonders für diese Ausstellung bestimmt wurde, befindet sich an der südlichen Ecke von Algona, genau seitlich von der Schnellstraße 169 auf dem Messegelände von Kossuth. Kaib und seine Mitgefangen hinterließen diese visuelle Bedeutung der Weihnachtsgeschichte der Stadt, die in den vergangenen Jahren von vielen Menschen aus 50 Staaten und auch von Leuten aus dem Ausland betrachtet worden ist.  Der Männerklub der ersten vereinigten Methodistenkirche von Algona hat diese Hinterlassenschaft erhalten und stellt während den Eröffnungszeiten wie auch in den früheren Jahren das notwendige Personal zur Verfügung. Die Adventszeit des Jahres 2002 ist inzwischen die 58. Wiederholung dieser Ausstellung. Ebenfalls erreichbar sind die Ansichten vieler Kriegsgefangenen vom Stammlager Algona und dem Leben der Gefangenen, als sie hier während des 2. Weltkrieges interniert waren. Für die Periode des Jahres 2002 wurden weitere historisch interessante Einzelheiten der Ausstellung hinzugefügt. 

 

Bürgerliche, kirchliche Gruppen, auch Gruppen von Schulen, können vorab für eine Sonderschau der Christi Geburtsszenerie entsprechende Vereinbarungen treffen, wenn sie Marvin Chickering unter  515-295-7519 anrufen oder schriftlich unter 206N Roan St., Algona, IA 50511 vorstellig werden. Mit der  Ersten Vereinigten Methodistenkirche von Algona  kann ebenfalls Kontakt aufgenommen werden um Vorbestellungen zu treffen oder weitere Auskünfte unter 515-295-7241 zu erhalten.

 

Der Erste Vereinigte Männerklub der Methodistenkirche Algonas ist stolz, die Tradition fortzusetzen, die vor so vielen Jahren durch Kaib und seinen Helfern eingeleitet worden ist,  nämlich diese Ausstellung während der Adventszeit allen zugänglich zu machen. Der Eintritt ist nach wie vor kostenlos.

 

Vorgeschichte zur Entstehung der Christi Geburt Szenerie

Übersetzungen aus der Webseite von http://www.pwcamp.algona.org

(von mir für das PW Camp Algona Komitee übersetzt)

Christi Geburt Szenerie erbaut von Kriegsgefangenen

Ein Weihnachtsbesuch auf der  international bekannten Christi Geburts-Szenerie in Algona, Iowa, ist ein Brauch, den viele Leute in Iowa und den Nachbarstaaten in ihren Familien fest eingeplant haben und jedes Jahr wiederholen..

            Es  mag schwierig sein … aber stellt euch vor, ihr seid zu Weihnachten tausende von Meilen von zu Hause weg. Euer Heimatland befindet sich im Krieg und sie sind ein Gefangener in einem fremden Land. Dies war die Situation für 3200 Männer in einem Kriegsgefangenenlager in der Nähe von Algona während des.2. Weltkrieges.

            Eduard Kaib, ein Architekt und Unteroffizier in der deutschen Wehrmacht, war einsam und spürte die Isolierung tief als er an zu Hause dachte, an seine Familie, den Gottesdienst und glückliche Festlichkeiten an diesem Feiertag. Diese Einsamkeit und das Verlangen lösten in ihm die Idee zur Erschaffung der FIGUREN ZU CHRISTI GEBURT aus.

           ANMERKUNG: Herr Kaib, der in Bielefeld lebte, starb dort am 24. Mai 1988. Er war ein friedensliebender Mann, der ein fortdauerndes Vermächtnis Algona, einer Stadt in Iowa, hinterließ. Im Geiste dieser Hinterlassenschaft, sind diese KRIPPENFIGUREN in jedem Jahr zur Adventszeit ein Geschenk für alle Besucher.

            Mit der Herstellung der KRIPPENFIGUREN begann man  im Herbst des Jahres 1944. Kaib und seine Freunde, die, auch wie er Gefangene waren, arbeiteten viele lange Stunden an der Herstellung dieser heiligen Figuren. Sie bauten diese aus Zement auf einem Drahtrahmen und bearbeiteten diese letztendlich mit verformbarem Gips in mühevoller Handarbeit. Die FIGUREN haben komplizierte Einzelheiten und sind in hohem Maße Realitätsbezogen. Das Material für die Figuren, halbmannshoch, wurde von den Gefangenen mit ihrem eigenen Geld erworben.

            Das Jesuskind liegt in einer mit Stroh gefüllten Krippe   im Mittelpunkt des Bildes, mit Josef und Maria kniend und den Schäfern auf beiden Seiten. Die weisen Männer aus dem Morgenland nähern sich der Krippe mit ihren Gaben, Gold, Weihrauch und Myrrhe. Hinter ihnen werden die Kamele von ihren Treibern geführt, während die Schäfer an einem Lagerfeuer sitzend die frohe Botschaft von den Engeln vernehmen, dass „ein Erlöser in Bethlehem geboren wurde“. Man kann das Wasser rauschen hören, das in einen kleinen See mündet und die Stadt Bethlehem erscheint im Hintergrund.  .                                                       Rechts sehen Sie Eduard Kaib

            Kaib und seine Männer beendeten schließlich ihr Projekt und hatten es zur ersten Ausstellung im Dezember 1945 fertig, mehr als einem Jahr war vergangen, nachdem sie begonnen hatten, daran zu arbeiten. Es wurde an einer Ecke des Lagers errichtet wo es der Öffentlichkeit zur Ansicht leichter zugänglich war. Eine Tradition war ins Leben gerufen!

            Die Bevölkerung von Algona waren sehr beeindruckt von der Schönheit dieser CHRISTI GEBURTSSZENERIE. Als der Krieg zu Ende ging und das Lager 1946 aufgelöst wurde, bat die Junior Handelskammer, die Figuren sollten aufbewahrt und jedes Jahr zu Weihnachten in einer Dauerausstellung gezeigt werden.

            Herr Kaib und seine Mitarbeiter waren behilflich, die Figuren an einer anderen Stelle aufzubauen, in einem reparierten und für diesen Zweck neu angestrichenem Gebäude. Es wurde eine Beleuchtung sowie eine Heizung eingebaut. Auf Schallplatten aufgenommene Stimmen, welche den himmlischen Chor darstellten, sangen das Lied: „Stille Nacht, Heilige Nacht“ und noch weitere Weihnachtslieder trugen zum Geist der Heiligen SZENERIE bei.

            Der Männerklub der Ersten Vereinigten Methodistenkirche in Algona hat die GEBURTSSZENERIE seit 1958 protegiert. Im Jahre 1963 erhielten sie die gesetzliche Verantwortung und stellten Dienstpersonal während der Feiertagszeit. Ein neues Fachwerkgebäude wurde südlich der Waffenkammer des Kossuth County Messegeländes erstellt, an der südlichen Ecke der Stadt. Das neue Gebäude wurde durch Kirchenmitglieder und Freunden ermöglicht, zusammen mit vielen freiwilligen Arbeitsstunden, welche die Mitglieder des Männerklubs beisteuerten.

            Die Geschichte zu dieser SZENERIE und der dahinter liegende Gedanke, wurde in vielen Magazinen und Zeitungen veröffentlicht, ebenso im Fernsehen und im Radio, und all diese Jahre von Mund zu Mund weiter erzählt. Viele Tausende besuchen diese Ausstellung jedes Jahr und sie ist aus allen 50 Staaten und vielen fremden Nationen aufgesucht worden.

            Entsprechend der Regelung mit Kaib und seinen Freunden werden für den Zutritt keine Gebühren erhoben. Die Kosten für die Erhaltung und Reparatur der Szenerie werden durch Spenden abgedeckt.

            Obwohl Eduard Kaib und seine Mitarbeiter, die 1946 in ihre Heimat in Deutschland zurückkehrten, blieben sie weiterhin an der SZENERIE interessiert. Herr Kaib und seine Familie kehrten während der Weihnachtszeit 1968 nach Algona zurück.

            Theo Stapf, ein Sohn von Wilhelm Stapf, der im Lager ab 1944 Koch war bis zu dessen Auflösung, war im Juni 1983 hier zu Besuch. Sein Vater war zu diesem Zeitpunkt bereits 75 Jahre alt und Bauunternehmer im Ruhestand, der sich auf Steinmaurerarbeiten spezialisiert hatte.

            Eduard Kaib’s Sohn Norbert war im Juni 1985 in Algona, sein erster Besuch. Norbert kam daraufhin wieder zurück und brachte seine Familie mit, damit sie auch sehen konnte, was sein Vater erschaffen hatte.

            Werner Meinel kehrte 1946 zusammen mit den anderen Kriegsgefangenen nach Hause zurück. Er kam später nach USA, um in Plymouth, Massachusetts als unabhängiger kommerzieller Photograph zu leben. (Herr Meinel starb im August 1992.) Als er 1963 von einer Reise aus Alaska zurückkam, stoppte er in Algona um sein Verlangen zu stillen, noch einmal auf dem Boden zu stehen, wo er einst als Gefangener weilte. Zu diesem Zeitpunkt erfuhr er erst, dass die CHRISTI GEBURTSSZENERIE noch jedes Jahr gezeigt wird. Beeindruckt von der Freundlichkeit der Bürger von Algona, die ihm halfen, den Ort aufzufinden, an dem einst das Lager stand und ihm auch die SZENERIE zeigten, schickte Meinel eine mit einem Preis bedachte Photographie nach Algona, damit diese dort in dem Ausstellungsgebäude aufgehängt werden sollte. Der Titel des Fotos lautet “GEGENSEITIGE VERBINDUNG” und Meinel beschreibt darin die Schönheit von zwei weißen Schwänen, die Seite an Seite gegen einen tiefblauen Himmel fliegen, als ein Symbol des Friedens.

            Die CHRISTI GEBURTSSZENERIE ist ein lebendiger Ausdruck für die zeitlose Botschaft der Weihnachtsgeschichte geworden…”Und Friede auf Erden, den Menschen guten Willens.

            Die künstlerische Zeichnung der WEIHNACHTSKRIPPE stammt von Gary Kelley, einem Einwohner und Künstler von Algona aus dem Jahr 1994. Herr Kelley hat in Cedar Falls, IA, ein Studio. Die vorstehende Beschreibung stammt aus einer Broschüre die uns freundlicherweise von dem Ersten Vereinigten Methodisten Männerklub von Altona, Iowa zur Verfügung gestellt worden ist). Die GEBURTSSZENERIE kann kostenlos täglich im Monat Dezember zwischen 14:00 und 21:00 Uhr und an den Sonntagen und den Feiertagen zu Weihnachten von 12:00 bis 21:00 Uhr besucht werden. Auf besonderen Antrag hin können Sonderschauen für Touristengruppen veranstaltet werden. Schreiben Sie dazu an den Männerklub der Methodisten, First United Methodist Church, 201 East Nebraska Street, Algona, Iowa, 50511, oder rufen Sie an unter  515-295-7241 oder senden ein Fax unter 515-295-7242.

UNSERE KÖRPER WAREN KALT, ABER DRINNEN BRANNTEN UNSERE HERZEN
Von Hochwürden Ralph Kitterman

Dezember 1988

Gedruckt mit Erlaubnis von Wes Bartlett,

Herausgeber von

Eine Sammlung von Erinnerungen über die Kriegsgefangenen

des Lagers in Algona

Gedruckt im Dezember 1994

            Die folgenden Notizen wurden im Dezember 1988 geschrieben, als Karen Wright dabei war, mit  zwanzig Bürgern des Vereins „Friendship Haven“ aus Fort Dodge, Iowa, die Christi Geburtsszenerie in Algona zu besuchen. Hochwürden Kittermann war zu diesem Zeitpunkt abwesend und machte diesen Besuch nicht mit, aber er schrieb diese Erinnerungen zu dieser Zeit auf, um den Anwesenden  über seinen Besuch am 1. Weihnachtsfeiertag zu berichten, an dem die Ausstellung erstmalig der Öffentlichkeit zugänglich war. (1945)

            Meine erste Ernennung als Pfarrer nach dem Seminar war eine Gemeinde auf dem Lande, ungefähr fünf Meilen nördlich des Kriegsgefangenenlagers in Algona. Wir sahen, wie das Lager entstand und waren anwesend, am 1. Weihnachtsfeiertag, an dem die Geburtsszenerie fertig war. Eines meiner Mitglieder arbeitete als Sekretärin im Hauptbüro. Das Lager selbst war hochgesichert und Zivilisten war der Zugang verboten. Die Sekretärin rief mich an und fragte, ob meine Frau und ich nicht mit einigen weiteren zusammen gerne ein ganz besonderes religiöses Ereignis beobachten wollten. Wir trafen sie am Eingangstor und gingen ungefähr eine halbe Meile zwischen dem hohem Stacheldrahtzäunen zu einem bestimmten Bereich. Bevor wir dort hereinkamen, wurde uns gesagt, dass wir in einer abgedunkelten Zone sein würden. Die Gefangenen konnten uns nicht sehen und wir sollten uns vollständig ruhig verhalten. Zusammengedrängt in einem kleinen Bereich warteten wir. Es war kalt, ebenso traf das für unser empfindsames Gefühl zu. Ich wusste, wir schauen auf gefangene Feinde, die gegen unsere Jungs gekämpft hatten, den Söhnen und Töchtern unsere Kirchenfamilie.

            Wir konnten den Militärschritt in der Ferne hören und durch die Finsternis Bewegungen erkennen. Schließlich brachen die Schritte ab und man konnte die Nähe einer versammelte Gruppe erahnen, abgetrennt von uns durch Stacheldraht.

            In diese kristallkalte Luft klangen die kehligen deutschen Laute menschlicher Stimmen. Meine zwei Jahre auf dem College genügten, um etwas zu verstehen. Das „Vaterunser“ wurde gebetet. Es war Weihnachten und ich hörte wie der Gott Luthers und die Kirchenheiligen von den Kriegern angerufen wurden. In mir begann es zu kribbeln. Dann hörte ich, wie eine Tonhöhe angeschlagen wurde. Sehr langsam begann ein wenig Licht die Dunkelheit zu durchdringen und man konnte die menschlichen Formen nunmehr nicht nur als Schatten unterscheiden. Dann kam von der Musikgruppe der Männer jene schöne Melodie “Stille Nacht, Heilige Nacht”, gesungen in deren Muttersprache.  Als das Weihnachtslied sich dem Ende näherte, führte man ein Weihnachtsspiel auf. Schäfer und Schafe hergestellt aus Ton aus dem Boden des Lagers, verziert mit allen Farben  aus Substanzen wie sie im Lager hinter Stacheldraht erhältlich waren. Dann erschien „Die Heilige Familie“ und die Krippe.

            Nach „Stille Nacht“ begannen sie weitere bekannte Weihnachtslieder nach einander zu singen. Sie sangen mit Begeisterung und Lobpreis. Ich war froh, im Dunkeln zu sein, denn da stand ich nun und die Tränen strömten an meinem Gesicht herunter. Wir bekamen die Eingebung an den Hügeln Iowa’s zur Kriegszeit mit diesem tiefen Schrei nach dem„Frieden auf der Erde“. Unsere Körper waren kalt, aber drinnen brannten unsere Herzen.

            Ich sah diese Männer, vielen Meilen weg von Ihrer Familie und einsam, gefangen, die Gott priesen und Ihre Gebete für ein baldiges Kriegsende ausschütteten. Das Konzept Weihnachten und die Familie wurde eine besondere Wirklichkeit.

            Nach dem Gebet, wurden die Lichter abgeblendet und sie kehrten zu ihrem eingeschlossenen Bereich zurück. Frau Kittermann und ich wandten unser Gesichter dem Nordwind entgegen, gingen zu unserem Wagen zurück und zu unserem Pfarrhaus, Personen mit einem neuen Verständnis, warum ER zu uns gekommen ist.

            Zwanzig Jahre später wurde ich zum Distriktleiter von diesem Bezirk ernannt. Algona unterstand mir jetzt. Eine Gruppe Methodisten begann darüber zu debattieren, wie man die Szenerie gut erhalten könne, (Geburt Christi Szenerie, erbaut von den Gefangenen) indem man einen Platz dafür bauen und dieses Projekt dann protegieren könne. Es versteht sich von selbst, dass ihr Traum auf empfängliche Ohren fiel, und wir ihr Projekt unterstützen würden. Es war eine würdige Perspektive. Trudy und ich haben öfter unsere Kinder und Enkel dorthin gebracht, zu einem besonderen Gebet, dass auch sie die Romantik einer besonderen Weihnacht einfangen mögen, auf den Prairien von Iowa, die so große Anhaltspunkte in der Welt hatte.

            Ich hoffe, Sie und ihre Pilger können ein wenig von der Romanze eines Gefangenen  (Eduard Kaib) und seiner Hoffnung auf Frieden verspüren.

Pfarrer Ralph Kitterman

Friendship Haven,

Fort Dodge, Iowa

 

Hier ist ein Bildausschnitt zur Christi Geburts-Szenerie vom letzten Jahr

 

 

Man beachte: die Figuren sind halbmannshoch und sie sind nach mehr als 58 Jahren noch jedes Jahr im Dezember die Attraktion Nummer 1 in Algona, IA, USA!