| Würzburg (hic) Technik war der 72-jährigen Helga Kraemer immer ein
bisschen unheimlich, der Computer eine "bessere Schreibmaschine". Wenn
sie versuchte, mit einem Programm zu arbeiten, passierten immer wieder
"die dollsten Dinge, aus denen ich dann nicht mehr raus gekommen bin",
sagt sie.
Seit zwei Monaten besucht sie das Würzburger "Internetcafé von
Senioren für Senioren" im Caritas-Seniorenzentrum St. Thekla. Zehn
solcher Cafés gibt es in Unterfranken, in ganz Bayern sind es etwa 50.
Um in Zukunft besser zusammenarbeiten zu können, haben sich zwölf
dieser Cafés, darunter auch das Würzburger, unter dem Dachverband
"Bayerisches SeniorenNetzForum" (BSNF) zusammen geschlossen. Die
Gründungsversammlung war am gestrigen Freitag in Erlangen. Die
Mitglieder haben Träger wie Kirchen oder Wohlfahrtsverbände und Angebote
von Internetcafés über Kurse und Freizeitangebote. Ziel ist unter
anderem, mehr Senioren mit dem Internet vertraut zu machen und durch die
Technik eine neue, selbstorganisierte Form der Seniorenarbeit zu
entwickeln, heißt es in einer Pressemitteilung.
Die Koordination hat eine Forschungsgruppe des Instituts für
Psychologie der Universität Erlangen, die sich unter anderem mit dem
Thema Lernen beschäftigt. "Der Trend geht zum lebenslangen lernen", sagt
der Leiter des Instituts Walter Kugemann. "Die Wissensvermittlung muss
von einzelnen Institutionen auf andere Formen wie das Internet
übertragen werden."
In Zukunft wollen sich die Mitglieder mit ihrem Wissen nicht nur
gegenseitig helfen, sondern auch Neugründungen unterstützen. "Jeder
musste bisher bei Null anfangen, wenn er ein eigenes Café gründen
wollte", sagt der Initiator des Würzburger Cafés, Herbert Schmidt aus
Hafenlohr. "Senioren sind die am stärksten wachsende Bevölkerungsgruppe,
die an Computer herangeführt wird", sagt Schmidt. "Sie haben oft keine
Ahnung, werden aber von ihren Enkeln gedrängt, damit sie ihnen endlich
E-Mails schreiben können." |